07/06/2013

Die axilläre Hyperhidrose ist definiert als Überfunktion der ekkrinen Schweißdrüsen. Betroffene Personen produzieren auch Schweiß, wenn die Köpertemperatur nicht erhöht ist. Sie sind häufig in ihrer Lebensqualität eingeschränkt und leiden emotional.

Temporäre Abhilfe schafft die Therapie mit lokal injiziertem Botulinumtoxin. Sie hält im Durchschnitt 4-6 Monate. Eine häufig angewandte und i.d.R. dauerhafte Lösung stellt die Curetage mit anschließender Liposuktion dar. Apparative Methoden einer dauerhaften Beseitigung der Schweißdrüsen wie z.B. die ultraschall- oder wasserassistierte Schweißdrüsenabsaugung oder nicht-selektive Laser haben sich bis dato als wenig effektiv und teilweise auch als wenig sicher erwiesen.

Mit dem SlimLipo™ Laser (Fa. Palomar Medical Technologies GmbH, Hamburg) steht nun eine neue, dauerhafte Methode zur Behandlung der axillären Hyperhidrose zur Verfügung. Ziel bei der Entwicklung war es, eine hohe Erfolgsquote mit schneller Abheilung und geringen Nebenwirkungen in einem einfach durchzuführenden Verfahren zu kombinieren.

Es handelt sich bei dem Gerät um einen cw (continuous wave) Diodenlaser mit den Wellenlängen 924 nm und 975 nm, die, je nach Indikation, separat oder parallel geschaltet werden können. Zusätzlich zur Hyperhidrose kann der SlimLipo™ für die Behandlungsfelder Fettreduktion und Körperstraffung eingesetzt werden.

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Thermo-optische Selektivität von Fettgewebe vs. Dermis. Die Wellenlänge von 924 nm des SlimLipo™ hat eine vierfache höhere Selektivität in der Zielstruktur Fett als die Wellenlänge 1064 nm eines Nd:YAG-Lasers.

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Laser im Vergleich. Vergleicht man die Temperaturprofile eines 300-ms-Impules an der Spitze einer 600-micron-Faser verschiedener Wellenlängen (924 nm, 980 nm, 1064 nm, 1320 nm) in Fettgewebe und setzt die Leistungsabgabe jeden Lasers so, dass die gleiche Schädigung im Fettgewebe eintritt, zeigt sich folgendes: Nur die Wellenlänge 924 nm erwärmt lediglich Fettgewebe. Alle anderen Wellenlängen (980 nm, 1064 nm, 1320 nm) erwärmen parallel die Dermis (Die Erwärmung der Dermis ist definiert als Volumen innerhalb des 50°C-Kreises).

Für die Hyperhidrose-Behandlung wird nur die Wellenlänge 924 nm eingesetzt. Hierbei handelt es sich um eine vorwiegend fettselektive Wellenlänge. Die ekkrinen Schweißdrüsen liegen im oberen Bereich der Subcutis. Durch die Hitze des Laserstrahls werden die Zielstrukturen zerstört und können anschließend abgesaugt werden. Eine eher wasserselektive Wellenlänge, wie sie häufig bei Nd:YAG-Lasern zum Einsatz kommt, könnte keine ausreichende, d.h. zur Koagulation der Schweißdrüsen ausreichende Hitze erzeugen, ohne die umliegenden Strukturen, also Dermis oder gar Epidermis, mit zu erwärmen und zu schädigen. Ineffiziente Behandlungen und zusätzlich Nekrosebildungen können die Folge sein.

Umfangreiche Forschungsarbeiten, in denen sämtliche Wellenlängen auf ihre Selektivität und Effizienz in Bezug auf diese Therapie ermittelt wurden, führten den Hersteller letztlich zu den Wellenlängen 924 nm und 975 nm als den effizientesten und gleichzeitig sichersten. So zeigt die Wellenlänge 924 nm, die beim SlimLipo™ für die Hyperhidrose zum Einsatz kommt, eine vierfach erhöhte Selektivität in der Zielstruktur Fett im Vergleich zur Wellengenlänge 1064 nm eines Nd:YAG-Lasers.

Abb. 1: SlimLipo™ Temperaturprofil der Behandlungsspitze. Herkömmliche Laser-Lipolyse-Systeme geben ihre Hitze nur über die Spitze ab. Durch das Design der SlimLipo™ Behandlungsspitze wird eine größere Gewebefläche erhitzt. Die größere Energieabgabefläche („lipid liberation zone“), die die komplette SlimLipo™ Behandlungsspitze umgibt, kann Fett eines wesentlichen größeren Behandlungsareals ausreichend und sicher erhitzen.

Eine ambulante Behandlung startet mit der Markierung des behaarten Achselbereiches und Infiltration von 250-400 ml Tumeszenzlösung. Nach der Einwirkzeit werden ein bis zwei kleine Inzisionen vorgenommen. Durch diese wird die 1,5 mm dünne, flexible und damit bruchsichere Laserfaser geführt.

Innerhalb weniger Minuten wird so oberflächlich die Zielstruktur erwärmt. Ein roter Zielstrahl zeigt den Ort der Laserspitze an und hilft dem Anwender, in der richtigen Tiefe zu arbeiten. Die Laserspitze ist so konzipiert, dass die Hitze gleichförmig und sicher abgegeben wird (s. Abb. 1). Mit der Hand kann die Erwärmung im Zielgewebe kontrolliert werden. Anschließend wird das vorher erwärmte Gewebe abgesaugt. In histologischen Untersuchungen (Dr. Fatemi, Düsseldorf) zeigte das Aspirat lysiertes Fettgewebe und lysierte und koagulierte glanduläre Anteile.

Postoperativ wird vom Patienten eine Kompressionsweste für eine Woche getragen. Der Patient ist i.d.R. einen Tag nach der OP wieder arbeitsfähig. Im Seitenvergleich zwischen klassischer Curetage und SlimLipo™ laserassistierter Behandlung zeigte sich durch die geringere Traumatisierung nach Einsatz des Lasers eine verbesserte und schnellere Wundheilung für die Patienten mit weniger Schwellungen und Hämatomen.

Trotz zusätzlichen Einsatzes des Lasers verlängert sich die Behandlungszeit im Vergleich zur klassischen Curetage nicht, da die Absaugung der Schweißdrüsen nach Einsatz des SlimLipo™ wesentlich einfacher und schneller durchzuführen ist. Die Absaugung gestaltet sich ermüdungsfrei, was dem Behandler insbesondere bei großen Flächen im Rahmen von Fettabsaugungen zugute kommt. Eine komplette Hyperhidrose-Behandlung beider Achseln mit Vor- und Nachbereitung dauert ca. 30 Minuten.
Klinische Studien zeigten Rezidivraten unter 8%. Eine zweite Behandlung ist in diesen Fällen nach 6 Monaten möglich und anzuraten. Diese ist aufgrund geringerer Narbenbildung einfacher durchzuführen als ohne vorherigen Lasereinsatz.

Fazit

Mit dem SlimLipo™ steht eine neue, komfortable Methode zur effizienten Hyperhidrose-Behandlung mit geringen Ausfallzeiten für den Patienten zur Verfügung.


Quelle:
Ästhetische Dermatologie, Juni / 2013.
Sonderheft: „Den ästhetischen Markt fest im Griff“
mdm Verlag für Medizinische Publikationen