14/11/2014

Der diesjährige Wies’n-Workshop der Firma Cynosure bot eine Reihe von Highlights: Führende Experten aus dem Bereich der ästhetischen Dermatologie brachten die interessierten Ärzte auf den neuesten Stand bei viel nachgefragten Leistungen – sei es Faltenbehandlung, Therapie von Narben und Melasmen, schonende Entfernung von Haaren oder Tattoos. In dem Hands-on-Workshop konnten die Teilnehmer auch selbst Hand anlegen und aktuelle Lasergeräte testen. Zudem war kein Geringerer als der Präsident der Cynosure Inc. persönlich aus Boston nach München gereist, um am Wies’n-Workshop seines deutschen Teams teilzunehmen.

Michael Davin, der ein Unternehmen mit über 20-jähriger Licht- und Lasererfahrung anführt, blickt mit Stolz auf über 35.000 im Markt befindliche Systeme und mehr als 110 Patente, die moderne Licht- und Laserbehandlungen von Anfang an erheblich beeinflusst haben. Durch den Zukauf des Unternehmens Ellman International weitet sich die Kompetenz ab sofort auch auf die Radiofrequenz aus.

Im Gepäck hatte Michael Davin beeindruckende Zahlen: Verkaufserfolge in mehr als 120 Ländern der Erde, über 80 Inhouse-Ingenieure und Produktentwickler, die sich außer um die bestehende Systempalette vor allem um praxisnahe Innovationen kümmern, und 47% Umsatzerhöhung allein im Jahr 2013 – Cynosure zählt ohne Zweifel zu den größten und dynamischsten Anbietern der Branche. Nahezu die Hälfte der Geschäftstätigkeit von Cynosure ergibt sich aus bestehender Kundschaft. „Diese bemerkenswerte Besonderheit betrachten wir als Anerkennung unserer Führungsrolle im Markt“, so Davin. „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, dem wachsenden Anspruch der Patienten stets einen Schritt voraus zu sein: Für fast alle ästhetischen Problemfelder bietet Cynosure gleich mehrere Technologien an, so dass Praxis und Patientenschaft mit hoher Flexibilität
beraten werden können.“

Behandlung von Falten, Narben, Striae

Bild3Der praktische Workshop startete mit dem non-ablativen Resurfacing mittels Fractional Laser, kompetent beschrieben von Dr. med. Konstatin Feise aus Darmstadt. Bei der fraktionierten Photothermolyse, z.B. mit dem Lux 1540 Fractional™, wird eine Reihe von Mikrostrahlen emittiert, die Koagulationssäulen in Epidermis und Dermis erzeugen. Vom benachbarten, unbehandelten Gewebe gehen Regenerationsprozesse aus, die in den koagulierten Säulen neues Gewebe aufbauen. Das Handstück des Lux 1540 Fractional™ lässt sich mit vier verschiedenen Optiken ausstatten, die je nach Indikation, Schwere des Ausgangsbefunds und gewünschter Eindringtiefe gewählt werden. Die neueste Entwicklung ist die so genannte XD-Linse (extra deep), mit der eine für eine non-ablative Technik sehr hohe Eindringtiefe bis zu 2 mm erzielt werden kann. Die Punktkompression ermöglicht eine erniedrigte Absorption und weniger bulk heating, sie ist sicherer, effektiver und schmerzärmer. Zudem werden bei Kompression Hautunregelmäßigkeiten insbesondere bei Striae leichter überwunden – das Ergebnis ist homogener. Die erforderliche Kompressionszeit beträgt 1-3 Sekunden. Einsetzen lässt sich der Laser bei Striae, Falten, Narben, Melasma, aber auch bei Tattoos. Beispielsweise bei Narben beschrieb Feise als Behandlungsprotokoll: XD-Linse, 55-70 mJ/mb, 15 ms, 3-5 Passes (bei XD ein Pass mehr), Behandlungswiederholung alle vier Wochen. Bei diesem Vorgehen werden Verbesserungen i.d.R. nach drei Sitzungen deutlich sichtbar, nötig sind meist vier bis fünf. Die Kombination von fraktioniert-ablativer und nicht-ablativer Behandlung bessert oberflächliche Irregularitäten und erzielt durch tiefe Kollagenstimulation auch eine Texturverbesserung dicker Haut.

Mit dem Emerge™ Fractional Laser steht für das nichtablative Skin Resurfacing auch ein kleines, kompaktes Lasersystem mit Diodentechnologie (1410 nm) zur Verfügung. Als Laser der Schutzklasse 2b darf Emerge™ vom Praxispersonal eingesetzt werden. Dank eines Kontaktsensors wird ein Impuls nur bei vollständigem Kontakt zwischen Applikator und Haut ausgelöst, wie Christiane Becker von der Fa. Cynosure-Palomar demonstrierte. Der Anwender kann zwischen manuellem und automatischem Scannen sowie dem AutoGlide™-Modus wählen, der Impulse in vorgewählter Geschwindigkeit automatisch generiert. Emerge™ erzielt eine Verbesserung der Hautstruktur und minimiert leichte Falten und Linien. Das System eignet sich auch für Pigmentstörungen, Dehnungsstreifen sowie zur Hautverjüngung am Hals.

Zur Vorbereitung und Nachbehandlung der Haut beim nicht-ablativen Skin Resurfacing und bei chemischen Peelings stehen spezielle kosmetische Zubereitungen zur Verfügung. Präparate von Skinceuticals enthalten u.a. Vitamin C und weitere Antioxidanzien in spezieller Galenik, die auf eine optimale Aufnahme und den Hauttyp abgestimmt sind (CE Ferulic®, Phloretin CF™). Sie können das Behandlungsergebnis verbessern und länger erhalten.

Vaskuläre Läsionen

Vaskuläre und pigmentierte Läsionen gehören zu den häufigsten Gründen, die Patienten in die ästhetischdermatologische Praxis führen. Der bisherige Goldstandard bei vaskulären Läsionen, der langgepulste Farbstofflaser (595 nm), hat mit der Entwicklung der “Optimized Pulse Light“(OPL)-Technologie ernsthafte Konkurrenz bekommen. Die Entfernung oberflächlicher und tieferliegender Gefäße ist mit OPL möglich, bei gleich hoher Effizienz wie beim Farbstofflaser, aber mit deutlich weniger Nebenwirkungen wie z.B. Purpura. Die “Blitzlampe“ des MaxG kann gleichzeitig Wellenlängen im Bereich von 500-670 nm und von 870-1200 nm emittieren, bei extrem hoher Leistung sowohl bei kurzen wie auch bei langen Impulsen (80 J/cm2, 3-100 ms). Der Anwender wählt beim “Dynamic Spectrum Shifting“, ob mehr Licht im sichtbaren oder im tiefer eindringenden IR-Bereich abgegeben wird. Bei hoher Lichtenergie im grünen Wellenlängenbereich werden oberflächliche Gefäße behandelt, bei Betonung des infraroten Anteils lassen sich auch tiefer liegende Gefäße koagulieren.

Das MaxG eignet sich zur Behandlung aller vaskulären Probleme: Vom kleinen Angiom über Teleangiektasien, großflächige Couperose, Rosacea und Erythrosen bis hin zu Feuermalen. Die Pulslänge orientiert sich am Gefäßdurchmesser (Faustregel: Kleine Gefäße – kurze Pulsdauer), wobei mit der Verkürzung der Pulse das Risiko bzgl. Purpura steigt, warnte Feise. Die Gefäße sollen sich verschließen, wobei sie grau werden; bei zu starkem Dunkelwerden ist die Pulslänge anzupassen. Bei isolierten Angiomen kann mit einer Pulslänge von 20 ms bei 38-44 J/cm2 gearbeitet werden. Die Läsion sollte leicht grau werden. Ein zweiter Impuls (10 ms) kann nötig sein, bei größeren Angiomen auch mehrere Sitzungen. Gegebenenfalls kann mit einer gelochten Schablone gearbeitet werden. Eine weitere dankbare Indikation der OPL-Technologie sind Pigmentstörungen wie Lentigines seniles bzw. solares, nach Feises Erfahrung auch Sommersprossen. Bei Pigmentierungen erzielen lange Impulse von OPL eine verträgliche Photothermolyse der Melanozyten durch thermale Diffusion von Melanosomen – anders als bei kurzen Impulsen z.B. eines Nd:YAGLasers, der die Melanosomen “explodieren“ lässt, so Feise. Für kleinflächige, mittel bis stark pigmentierte Läsionen empfiehlt er Pulslängen von 20 ms, bei helleren Läsionen von 10 ms.

LaserepilationBild4

Die dauerhafte Haarentfernung ist eine viel nachgefragte Leistung der ästhetischen Dermatologie. Junge Frauen gaben in einer Befragung der Universität Leipzig schon 2008 Epilationsraten um die 90% für Beine, Achseln und den Leistenbereich an. Männer waren zu rund 70% an Achseln und Leiste epiliert und zu knapp 40% am Oberkörper. Auf dem Gebiet der Epilation sind neue Erkenntnisse zu berücksichtigen, die Dr. med Klaus Hoffmann, Bochum, ausführte. Ziel ist ein “komplett verkokeltes Haar“, was erst bei einer Temperatur von 60-80 °C erreicht wird. Dazu muss der ganze Haarfollikel aufgeheizt werden, nicht nur die Haarwurzel. Dies erfordert eine entsprechend hohe Energiezufuhr und geht auch nie ganz schmerzlos (“no pain, no gain“). Limitiert wird die Energiezufuhr naturgemäß durch die Schmerz- und Hitzeempfindlichkeit der Epidermisstrukturen. Bei ungeeignetem Beschuss kann es zu einem Spreiten von Stammzellen des Haarfollikels kommen, was zu neuem Haarwachstum in seiner Umgebung führt. Nicht neu, gleichwohl bedeutsam ist, dass das Haar in seiner Wachstumsphase (Anagenphase) getroffen werden soll. Rund 15% der Haare befinden sich aber regelhaft im Übergangs- oder Ausfallstadium (Katagen/Telogenphase). Aus diesen Gründen ist eine vollständige und dauerhafte Haarentfernung grundsätzlich schwer zu erreichen, gab Hoffmann zu bedenken. Auch nach zwei oder drei Epilationen kann immer noch Haar nachwachsen.

Die aktuellen Erkenntnisse gingen in die Technologie des Vectus™-Diodenlasers mit 800 nm Wellenlänge ein. Er weist die derzeit höchste Leistungsabgabe bei sehr kurzen wie auch sehr langen Impulsen auf. Im Gegensatz zu anderen Systemen werden dabei lange Impulse nicht in mehrere kurze “gesplittet“, sondern absolut gleichförmig und damit schonend abgegeben. Dies ist besonders bei dunklen Hauttypen von Vorteil, so Hoffmann. Der Vectus™ ist für alle Hauttypen (I-VI) zugelassen. Mit seinen zwei Spotgrößen – 12 x 12 mm und 23 x 38 mm – ist er ohne Handstückwechsel sowohl bei kleinen Arealen wie Oberlippe und Kinn als auch großflächig, z.B. an Armen und auf dem Rücken, einsetzbar. Die Photon-Recycling-Technologie erlaubt die Rückführung eines Großteils des reflektierten Lichts auf die Haut. Für eine schonende Behandlung besonders wichtig ist die extrem leistungsstarke, aber kompakte Kühlung.

Gerade bei hochenergetischen Systemen gewinnt die Feststellung des Hauttyps und des aktuellen Bräunungsgrades an Bedeutung. Präzisiert werden kann die subjektive Einschätzung durch vollautomatische Melaninmessgeräte wie Skintel™. Es misst die diffuse Reflexion dreier Wellenlängen (640 nm, 700 nm, 910 nm) und ermittelt den Melaninindex. Durch Anbindung an die “Test Spot Fluence“ des verwendeten Laser- bzw. Lichtsystems können effiziente und gleichzeitig sichere Parameter eingestellt werden. Skintel™ wird angeboten für den Vectus™ sowie für das modulare ICON™-System, das unterschiedliche Laser und OPL-Handstücke ansteuert.

Zukunftstrend TattooentfernungBild5

Nach einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sind über sechs Millionen Menschen in Deutschland tätowiert. Tattoos und Piercings sind zwar Privatsache, die dem Persönlichkeitsrecht unterliegen, doch gibt es gerade in der Arbeitswelt ungeschriebene Gesetze, nach denen Tattoos jenseits der “T-Shirt-Grenze“ dem Träger zum Nachteil gereichen. Etwa jede(r) Zehnte will nach der GfK-Studie seine Tätowierung ändern oder loswerden. Es sei davon auszugehen, das in naher Zukunft ein wachsender Bedarf nach Änderung oder Entfernung von Tattoos entstehe, meinte Dr. Klaus Hoffmann, Bochum. Chemische Methoden wie das Einbringen von bedenklich hoch konzentrierter Milchsäure in die tätowierte Haut kommen für den Spezialisten nicht infrage. Relativ gute Ergebnisse bei vertretbarer Verträglichkeit und Sicherheit können mit gütegeschalteten Nd:YAG-Lasern verschiedener Wellenlängen und mit dem gütegeschalteten Rubinlaser erzielt werden. Eine Einschränkung besteht in der Notwendigkeit, verschiedene Wellenlängen einzusetzen, die das Absorptionsspektrum des zu entfernenden Farbpigments treffen müssen. So eignen sich Nd:YAG-Laser (Q-switched) mit 532 nm Wellenlänge bei rötlichen Tattoos, 585 nm bei hellblauen, 650 nm bei grünen und 1064 nm bei dunklen bis schwarzen Tattoos. Das Allround-Konzept RevLite SI™ deckt bei Einsatz der zusätzlichen MultiLite Dye Handstücke alle diese Wellenlängenbereiche ab. Klassische Nanosekundenlaser erzielen dabei mit einer Pulslänge von beispielsweise 5 Nanosekunden einen photothermischen Effekt: Das Zielpigment – und das umliegende Gewebe – werden überhitzt und zerkocht.

Als bahnbrechende Neuerung stellte Hoffmann mit Picosure™ den weltweit ersten Picosekundenlaser für den Einsatz in der ästhetischen Dermatologie vor. Mit 750 ps (Picosekunden) beträgt die Pulsdauer dieses Gerätes nur rund ein Siebtel derjenigen eines Q-switched Nd:YAG Lasers (5 ns = 5000 ps) und einen noch kleineren Bruchteil derjenigen eines Q-switched Alexandrit-Lasers. Eine Zuschaltung des Boost-Modus verkürzt die Pulsdauer noch einmal auf 550 ps, was den photomechanischen Effekt um 70% verstärkt. Bei den extrem kurzen Pulsen kommt es zu keiner wesentlichen thermischen Wirkung, vielmehr zu einer “Zerreißung“ des Pigments. Es wird in winzigste Partikel zersprengt, die der Körper leicht abtransportiert. Die Fragmentierung der Partikel ist direkt proportional zur Laser Fluence, aber sinkt im Quadrat zur Pulsdauer.

Die Picosekunden-Technologie bietet mehrere praktische Vorteile: Der Laser ist in der Lage, kleinste Partikel bis hinab zu 40 Nanometer zu zerreißen. Er benötigt nicht für jede Farbe eine extra Wellenlänge. Wegen der hohen Effektivität braucht es weniger Behandlungssitzungen. Darüber hinaus ist das Verfahren wegen der ausbleibenden Überhitzung
des Gewebes schmerzärmer und weniger vernarbungsträchtig als bislang. „Viele Patienten sagen, dass sie überhaupt nichts spüren“, berichtete Hoffmann.


Quelle:
Ästhetische Dermatologie, 7 / 2014.
mdm Verlag für Medizinische Publikationen