22/10/2015

Interview mit M. Mariani und P. Bonan

Dr. Massimo Mariani und Dr. Paolo Bonan arbeiten gemeinsam im Dermatologie- und Laserzentrum der Klinik “Villa Donatello“ in Florenz, Italien, wo sie das gesamte Spektrum der modernen ästhetischen Dermatologie und Chirurgie anbieten. Wir sprachen mit ihnen über einen der Schwerpunkte ihrer beruflichen Tätigkeit – die Intimmedizin bei menopausalen Patientinnen.

Ästhetische Dermatologie:
Herr Dr. Mariani, Herr Dr. Bonan, Sie führen in Ihrer Klinik viele ästhetisch-chirurgische und gynäkologische Behandlungen durch. Um welche Behandlungen geht es hier in erster Linie?

Dr. Bonan: Wir bieten alle fortschrittlichen Anwendungen mit neuen Laser-Technologien, z.B. die periorbitale Verjüngung mit transkutaner und transkonjunktivaler Lidkorrektur, Gesichtsstraffung, laser-endoskopisches Lifting oder die vaginale Verjüngung. Auch die Behandlung von vulvovaginalen Problemen wie der Atrophie der Vaginalschleimhaut stehen im Zentrum des Behandlungsspektrums.

Dr. Mariani: Allgemein werden von den unterschiedlichen Ärzten unterschiedliche Bereich behandelt: Die ästhetische Seite der Vulva wird von Dermatologen und Chirurgen behandelt, der Vaginalbereich von den Gynäkologen.

Ästhetische Dermatologie:
Welche Rolle spielen altersbedingte vulvo-vaginale Probleme wie die vaginale Atrophie denn in der Praxis? Kommen viele Frauen mit diesen Problemen zu Ihnen?

Dr. Bonan: Die Rate der vulvo-vaginalen Probleme und Verfahren hat nach unseren Erfahrungen in den letzten Jahren dramatisch zugenommen.

Dr. Mariani: Im gynäkologischen Bereich kommen viele Frauen zu uns, die sich auf unterschiedlichste Weise gegen Symptome und Beschwerden des Klimakteriums behandeln lassen. Wir sehen natürlich Patientinnen mit den klassischen Symptomen wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Libido-Mangel, etc., aber am häufigsten kommen die Frauen wegen der auftretenden vulvo-vaginalen Probleme: Atrophie der Scheidenhaut, Trockenheit der Schleimhaut, Scheidenentzündungen und -Blutungen. Leider müssen wir den Frauen verdeutlichen, dass die vaginalen Probleme nicht unbedingt nach den Wechseljahren verschwinden, sondern dass sich die vaginalen  Bedingungen eher stetig verschlechtern und dass es sehr wichtig ist, dem langfristig entgegenzuwirken. Die vaginale Atrophie entsteht vor allem während des Klimakteriums und durch den Mangel an Östrogen. Nicht alle Frauen sind hier gleich stark betroffen, aber viele Frauen  leiden während der einsetzenden Menopause unter Feuchtigkeitsproblemen, die Juckreiz und Trockenheit der Schleimhaut hervorrufen. Deshalb haben viele Frauen auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, der dann sogar Blutungen verursachen kann. All dies ist zurückzuführen auf die Schleimhaut, die aufgrund des fehlenden Östrogens immer dünner und trockener wird.

Abb. 1

Abb. 1: Behandlung der vaginalen Atrophie mittels SmartXide2 CO2-Laser mit MonaLisa Touch Technologie (schematische Darstellung).

Ästhetische Dermatologie:
Was sind die typischen Merkmale Ihrer Patientinnen?

Dr. Bonan: Das Durchschnittsalter liegt zwischen 40 und 60 Jahren, so dass die meisten Patientinnen sich gerade in den Wechseljahren befinden. Aber wir haben auch prämenopausale Patientinnen, die Beschwerden aufgrund einer Fehlfunktion der Scheidenflora haben. Ein Rückgang der Laktobazillen in der Scheide kann die antibakterielle Funktion stören und zu vaginalen Infektionen führen. Durch unsere Verfahren  zur Erhöhung der natürlichen Abwehrkräfte und Stimulierung der Schleimhaut können viele vaginale Infektionen verhindert werden.

Ästhetische Dermatologie:
Wie behandeln Sie die vaginale Schleimhaut, um den Allgemeinzustand und die Funktionalität zu verbessern?

Dr. Mariani: Normalerweise wird die Atrophie mit lokaler Therapie behandelt: Hormontherapien mit z.B. Vaginal-Tabletten oder lokal mit  Hormonzäpfchen oder Cremes, die in die Vagina eingeführt werden. Neben der klassischen Hormontherapie wenden wir aber auch sehr gerne die neue MonaLisa Touch Technologie [1] (DEKA Laser) an. Bei dem SmartXide2 handelt es sich um einen CO2-Laser, der ohne die  nachteiligen Nebenwirkungen der Arzneimitteltherapie eingesetzt werden kann.

Ästhetische Dermatologie:
Können Sie uns den Ablauf einer solchen CO₂-Laser-Behandlung beschreiben?

Dr. Mariani: Die Patientin erhält zuerst eine ausführliche Vaginal-Untersuchung, in welcher der aktuelle Zustand der Mucosa festgestellt und dokumentiert wird, damit Ulzerationen oder sonstige Kontra-Indikationen ausgeschlossen werden können. Danach wird die Vagina mit Wattestäbchen gereinigt. Nach der Reinigung wird der Laser in die Scheide eingeführt und die Scheidenschleimhaut mit dem Laser 360° rundum bestrahlt. Die CO2-Bestrahlung dauert in der Regel gerade einmal 3-4 Minuten und wird ohne Lokalanästhesie durchgeführt. Anschließend kann die Patientin sofort nach Hause und ihren Gewohnheiten nachgehen. Die Behandlung sollte 1x pro Monat für insgesamt 3 Monate erfolgen. Nach einem Jahr erfolgt eine Nachbehandlung.

Ästhetische Dermatologie:
Wie kann der Wirkmechanismus erklärt werden?

Dr. Mariani: Durch die Anwendung der lokalen Laserapplikation kommt es zu kleinen Nekrosen. Um das Areal des Nekrosen-Herds bildet der Körper dann neues Kollagen. Durch die Neubildung von Kollagen wird die Durchblutung angeregt und die Schleimhautbedingungen verbessern sich sichtlich. Der Unterschied ist bereits nach der ersten Behandlung erkennbar. Je öfter die Behandlungsmethode angewendet wird, desto höher ist natürlich auch der Wiederaufbau-Faktor der Schleimhaut.

Dr. Bonan: Ich denke wichtig ist nicht nur, dass das Kollagen angeregt wird, sondern dass auch die elastischen Fasern und die extrazelluläre Matrix sich verstärken. Denn es ist auch wichtig, eine dickere Schleimhaut durch eine dickere Epidermis zu bekommen. Die Dermis wird dicker, weil die neue Epidermis viele neue Schichten von Zellen aufbaut, und diese unterstützen das ideale Klima für die neue Schleimhaut. So wird die Schleimhaut weniger jucken, ist besser befeuchtet und hat mehr Elastizität.

Abb 2

Abb. 2a-b: Histologie der vaginalen Schleimhaut vor (l.) bzw. 1 Monat nach (r.) der Behandlung mittels SmartXide2 CO2-Laser mit MonaLisa Touch Technologie (identischer Vergrößerungsmaßstab).

Ästhetische Dermatologie:
Welche Vorteile hat das Laser-Verfahren?

Dr. Mariani: In Italien sind Frauen allgemein gegen Hormontherapien, aus Angst vor Brustkrebs. Von daher wird der Laser sehr gut angenommen und Frauen präferieren diese Methode. Auch bei Frauen, die noch sehr jung sind, aber bereits im Vorfeld an Brustkrebs erkrankt sind/waren und keine Hormontherapien anwenden dürfen, ist der Laser eine optimale Behandlungsmöglichkeit. Mit dem Laser kann Frauen, die aufgrund ihrer Erkrankung bereits in jungen Jahren die Scheiden-Merkmale einer eher 60-jährigen Frau haben, geholfen werden. So können sie ihre Sexualität weiter ausüben und leben mit weniger Einschränkungen. Neben dem non-hormonellen Behandlungsaspekt gibt es zusätzliche Argumente wie die schmerzfreie Behandlung, die Behandlung ohne Anästhetikum, das Nichtvorhandensein von Kontra-Indikationen und die universelle Einsetzbarkeit bei jeder Frau. Das Verfahren ist sehr neu – aber wir registrieren einen deutlichen Anstieg der Nachfrage.

Dr. Bonan: Das Verfahren ist außerdem sehr kurz, es dauert nur 4-6 Minuten für die Verjüngung innen und nur 5-7 Minuten für die Straffung außen.

Ästhetische Dermatologie:
Gibt es Risiken? Was sind mögliche Nebenwirkungen?

Dr. Mariani: Uns und anderen Anwendern sind bisher keine behandlungsbedingten Nebenwirkungen bekannt. Der einzige periphere Nachteil ist bis dato, dass die Behandlungskosten von ca. 400 € pro Behandlung – d.h. insgesamt ca. 1.200 € – bisher nicht von den Krankenkassen übernommen werden und es gewiss Patientinnen gibt, die sich dies nicht leisten können.

Dr. Bonan: Es ist noch immer eine neue Anwendung, die wir erst seit einem Jahr anwenden. Aber bisher haben wir während unserer Behandlungen keine schlechten Erfahrungen machen können und es gab auch keine schweren Nebenwirkungen oder Risiken. Wenn man den  Anweisungen genau folgt, sollte auch nichts passieren.

Ästhetische Dermatologie:
Kann der Vaginal-Laser auch für andere Indikationen wie Labioplastiken, vaginale Neugestaltung oder die Entfernung der klitoralen Vorhaut verwendet werden?

Dr. Bonan: Wir verwenden den Laser z.B. für Labioplastiken, wo wir den äußeren Teil der weiblichen Genitalien neu gestalten. Im Hinblick auf die Neugestaltung der Vulva führen wir Operationen an den kleinen und großen Schamlippen durch. Für Labioplastiken sind eine Lokalanästhesie sowie mehrere Stiche sind erforderlich. Für die externe Vulva-Umgestaltung brauchen wir nur den Scanner zum Straffen – ohne Schneiden!

Ästhetische Dermatologie:
Behandeln Sie auch zwei Indikationen – etwa vaginale Atrophie und Neuformung – zum gleichen Zeitpunkt?

Dr. Bonan: Ja, weil wir einen doppelten Effekt erzielen: Auf der einen Seite haben wir die Auswirkungen auf die Funktionalität und die Anatomie der Schleimhaut. Und mit der Hautverjüngung erhalten wir gleichzeitig eine neue Schleimhaut, neue Semi-Schleimhaut und neue Haut im Genitalbereich. Wir können auch Patienten mit post-natalen Indikationen mit dem Laser behandeln.

Ästhetische Dermatologie:
Was sind aus Ihrer Sicht die spezifischen Vorteile der MonaLisa Touch Technologie?

Dr. Bonan: Schamlippen- oder Blasen-Rekonstruktionen lassen sich mit dem Laser perfekt durchführen, weil es sich um ein Freihandstück handelt. Man verwendet den gleichen Laser der Plattform, aber man kann zum Beispiel das Handstück des Scanners auch als Handstück des Lasersystems verwenden. So können wir mit einem Handstück nach der Straffung direkt zum Schneiden übergehen.

Ästhetische Dermatologie:
Betrachten Sie die MonaLisa Touch Technologie als Alternative zur ästhetischen Intimchirurgie?

Dr. Bonan: Es gibt zwei unterschiedliche Ziele: Wenn man nur die Straffung möchte, sollte man zuerst die Umgestaltung der internen Vagina durchführen und dann später in einer anderen Sitzung die Hautstraffung des äußeren Bereichs vornehmen. Sollte eine große Schlaffheit vorhanden sein, muss auf eine Operation zurückgegriffen werden – aber es kommt immer auf den jeweiligen Patienten und die Umstände an.

Ästhetische Dermatologie:
Gibt es noch weitere Indikationen, bei denen der Laser Anwendung finden kann?

Dr. Bonan: Es werden permanent neue Indikationen gefunden, für die der Laser verwendet werden kann. Wir stehen da noch ganz am Anfang der Möglichkeiten. Durch die Verwendung von CO2-Lasern bekommen wir neue Vorteile wie die Reduzierung der Erholungszeit und die Verbesserung der Narben-Qualität.

Ästhetische Dermatologie:
Sehr geehrter Herr Dr. Mariani, sehr geehrter Herr Dr. Bonan, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte M. Lengenberg.

[1] Ab sofort ist die Cynosure Hamburg GmbH für den Vertrieb von MonaLisa Touch in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich. Unser Sales Team berät Sie gerne persönlich.


Quelle:

Ästhetische Dermatologie, 6 / 2013.
mdm Verlag für Medizinische Publikationen